Samstag, 18. Mai 2019

Paris Marathon am 14.4.2019 - Ein Traum wird wahr, die 4 Stunden sind geknackt!

Am Sonntag, den 14.4.2019 standen wir pünktlich 9 Uhr an der Startlinie am Champs-Élysées in Paris um unseren ersten Marathon in diesem Jahr zu laufen. 12 Wochen hartes Marathon-Training liegen hinter mir. 

Den Startschuss gab der Gänsebratenvernichtungslauf am 05.01.2019. Seitdem habe ich beinahe jedes Wochenende einen langen Lauf über 30 Kilometer absolviert. Der Greif-Plan ist auch ein Fleiß-Plan. 3 Einheiten pro Woche umfasst er: den Tempodauerlauf, Intervalltraining und den langen Lauf von 35 km. In einer Woche kamen so 60-70 Kilometer zusammen. Die Einheiten haben viel Kraft gekostet und bis zum letzten 30er war ich sehr erschöpft. Dennoch hatte ich in den 12 Wochen keine Probleme während des Trainings - keine Erkältung - keine muskulären Probleme, der Rücken machte alles problemlos mit. Ich horchte oft in mich hinein - aber da war nichts. Meine Form ging nach oben. 

Wir haben für den Paris Marathon ein langes Wochenende geplant und sind Freitag Nachmittag von Berlin/ Tegel nach Frankreich geflogen. Wir hatten ein nettes kleines Hotel direkt in der Innenstadt gebucht, nicht weit entfernt vom Champs-Élysées, dem Startbereich des Marathon. 

Einen Tag vor dem Lauf lockerten wir noch vor dem Frühstück die Beine und liefen zum Louvre. Nach dem Frühstück ging es erst zur Marathonmesse und dann mit dem Hop-on Hop-off Bus auf Sightseeingtour. Wir haben uns die Mona Lisa im Louvre angesehen und die - zu dieser Zeit noch mit Kirchturm bestehenden - Notre Dame angeschaut. Abends gab es gute Kohlenhydrate in Form von Pizza.

Es war erstaunlich, dass weder am Freitag, noch am Samstag nichts zu erkennen war, dass am Sonntag der größte Marathons Europas in Paris statt finden sollte. Es waren keine Absperrungen zu sehen und Läufer waren auch kaum unterwegs. 

Selbst am Renntag auf dem Weg zum Start war wenig vom zweitgrößten Marathon der Welt zu sehen. Als wir aber um die Ecke Richtung Startbereich bogen, waren sie auf einmal alle da. Tausende Läufer aus aller Welt. Auf der Startnummer stand nicht nur der Name des Läufers, sondern auch das Land ihrer Herkunft. 

Wettertechnisch hätte es nicht besser laufen können - vier Grad und Sonne satt, im Verlaufe des Tages sollte es auf 10 Grad hochgehen. Beste Bedingungen einen Marathon zu laufen.

Im Startbereich sortierten wir uns in dem Block für eine Zeit von 3:45 Stunden ein. Micha konnte aufgrund eines Muskelfaserrisses das Training erst 2 Wochen vorher aufnehmen, sodass er es heute locker angehen wollte. Für mich war dieser Block genau richtig. Der Lauf bietet 60.000 Läufern einen Startplatz. Das bedeutet, dass heute ziemlich viel Verkehr sein wird. 


Da es noch recht kühl war an dem Morgen hatte ich mir einen Pulli übergezogen, den ich nach einigen Kilometern wegwerfen konnte. Irgendwann ging es endlich los. Ich hatte hin und her überlegt, was mich heute noch hindern sollte die 4 Stunden zu knacken - mir fiel nichts ein, ich hatte keine Ausreden mehr, es sollte heute klappen. 

Ich hatte eine Pace von 5:30 Minuten pro Km angepeilt. Egal wie schnell alle um mich herum sind, Ziel war es locker mit 5:30 durchzulaufen. Wir liefen den Champs-Élysées herunter und dann ging es mitten durch die Stadt. Ich war gut im Flow. Bei Kilometer 5 war ich endlich warm und ließ meinen Pulli am Straßenrand liegen.

Die ersten Kilometer versuchte ich die Pace im Blick zu haben. Gefühlt verging diesmal die erste Hälfte sehr schleppend, also dass ich jeden Kilometer sehr bewußt wahrgenommen hatte. Sonst ist es immer andersherum, dass ich mir ab 35 km jeden einzelnen Km erkämpfe.
Wo wir dann genau lang liefen kann ich nicht mehr so ganz nachvollziehen, Trommler heizten die Läufer an, ein paar Bands waren auch am Straßenrand. An einigen Hotspots war viel Publikum unterwegs und an einigen Punkten würde es so eng, dass man oft abbremsen musste. Die Verpflegungspunkte waren alle 7 Kilometer gut positioniert. Der Wassersponsor Vittel hatte hinter jedem Verpflegungspunkt Container aufgestellt mit Zielscheiben, wo die Wasserflaschen entsorgt werden sollten. Man konnte sich daraus richtig einen Spaß machen.

Natürlich kamen wir auch am Eifelturm vorbei und es ging weiter entlang der Seine. Hier wurde es etwas hügelig, da wir direkt am Wasser an der Kaikante entlang liefen und an jeder Brücke eine Steigung kam. Die Temperaturen blieben mit 12-14 Grad sehr angenehm. Meine Beine machten alles super mit, es war wie am Start, ich horchte in mich hinein, da war aber nichts, nichts was mich heute daran hindern sollte unter 4 Stunden zu laufen. Ich hielt die Pace.

Dann waren es nur noch 2 Kilometer. Die zähle ich meist schon nicht mehr mit, das sind nämlich meine Party Kilometer, ab Kilometer 40 wird gefeiert. Und so war es dann auch, kurz vor dem Ziel wurde es nochmal eng und ziemlich voll. Einige Läufer musste ich etwas beiseite schieben, um an ihnen vorbeizukommen. Ich schaute auf die Uhr und zog nochmal das Tempo an. Nur noch 400 Meter bis zum Ziel. Wir bogen zum Champs-Élysées ab und da war es schon - das Ziel. Und meine Uhr zeigte fantastische 3:56:38 Stunden.


Es war toll. Mein Traum wurde wahr. Alle Entbehrungen der letzten Wochen haben sich in diesem einen Moment bezahlt gemacht. Das war der Lohn und ich wurde reich beschenkt. Ich bin so dankbar es geschafft zu haben. Die magische Sub4 ist somit geknackt.


Alles ist machbar, wenn man es nur möchte!

Ich glaube bei meinem letzten langen Trainingslauf ist der Knoten geplatzt - ich hab bei der Endbeschleunigung ein Lied gehört, was mir unheimlich viel Antrieb gegeben hat:  
"I have a Dream" von ABBA

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