Samstag, 27. Mai 2017

LONDON MARATHON am 23.04.2017

Am Sonntag, den 23.4.2017 war es endlich soweit! 

12 Wochen hartes Greif-Training liegen hinter mir und die Performance ging mit jeder Laufeinheit nach oben. 12 Wochen mit 6 langen Läufen (á 35 Km mit Endbeschleunigung), einem Marathon in Italien (04:12:26) und dem Halbmarathon in Berlin (01:51:12). Ich bin dankbar, dass ich das Training trotz Alltag (Full-Time Job, Kinder, etc.) ohne nennenswerte Aussetzer durchziehen konnte. Ganz oft habe ich nach dem Pyramidentraining oder den mittellangen Läufen in der  Marathonpace geflucht und mich danach "sterbend" in die Wanne gelegt. Das Gefühl danach, also der Stolz überwiegt dann irgendwann. Eine Woche hatte ich mit starken Hustenanfällen zu tun, sodass ich kurz aussetzen musste, danach ging es aber weiter. Der letzte lange Lauf (eine Woche vor dem London Marathon) von "nur" noch 26 Km zeigte mir aber, dass es jetzt reichen sollte. Mehr ging nicht mehr, es ist alles getan. 

In der Woche vor dem Marathon passierte nicht mehr viel, kleine leichte Läufe und mentale Vorbereitung. Freitag ging es mit dem Flieger zu den britischen Inseln. Alles verlief ganz unkompliziert. Die Kinder übergaben wir dem Opa in Berlin. In London angekommen, ging es zum Hotel und dann gleich weiter zur Marathon-Messe. 


Wir hatten ausreichend Zeit und die Messe war sehr überschaubar. Zuerst erhielten wir unsere Startnummern und danach beim Eingang zur Messe den Zeitchip. Gleich zu Beginn haben die Marathon World Majors Organisatoren ein Laufband aufgebaut, auf dem sich jeder Läufer ausprobieren konnte, ob er mit der Weltelite 400 m mithalten konnte. Den Spaß ließ ich mir nicht nehmen und machte den Test. 
Was für ein Tempo. Nach 300 Meter war bei mir Schluss. Dieses Tempo auf 42,195 Km zu halten ist schon unglaublich. Noch lange nach dem Test schmerzten mir die Oberschenkel. 


Auf der Messe selbst musste ich mir natürlich neue Laufschuhe kaufen, da hüpfte mein Läuferherz. 
Am Samstag machten wir einen leichten Lauf im anliegenden Park neben unserem Hotel. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es auf Sightseeingtour zu Fuß, mit dem Bus und mit dem Boot über die Themse. Den Abschluss bildete unser Diner mit Fish und Chips mit Blick auf die Tower Bridge. 


Am Sonntag klingelte der Wecker um 6 Uhr. Der Massenstart sollte 10 Uhr losgehen. Uns blieb genug Zeit zum frühstücken. Der Transfer zum Startbereich verlief mit U- und S-Bahn ganz unkompliziert, alles war super organisiert. 
Es gab 3 Startbereiche um die Massen pünktlich auf die Strecke zu schicken. Blau für die Eliteläufer, die besseren Volksläufer und die ausländischen Starter, grün für die Promis und VIPs und rot für alle anderen Läufer, also auch die vielen Charity-Läufer. Wir befanden uns im blauen Bereich. Im Startbereich gaben wir unsere Sachen ab und gingen zu unseren Startzonen. Micha lief in Zone 2, ich sollte in die Zone 6. Ich mogelte mich in die Zone 5, wo die 4 Stunden Pacer standen. 


Als Prinz William, seine Frau Kate und Prinz Harry den Startschuss gaben, ging es relativ schnell voran, sodass es nicht lange dauerte bis wir über die Startlinie liefen. Die Royals, sowie ein tolles Publikum schickten uns auf die Strecke. Ich konnte nicht aufhören zu grinsen. Ich war tatsächlich dabei. Eine von 40.000 Läufern. Ein Unglaubliches Gefühl.

Mit meinem Tempo war ich sehr zufrieden, ich lief konstant unter 5:30 Minuten pro Kilometer. So sollte es bleiben auf den nächsten Kilometern. Als ich mich rechts und links umschaute sah ich viele kostümierte Läufer, dabei waren Darth Vader, Batman, Spiderman, Wonderwoman, ein Anzugläufer, eine Telefonzelle und viele Weitere. Viele Läufer liefen für einen guten Zweck, zu erkennen, an ihrem T-Shirts. Der London-Marathon ist ja sehr bekannt für seine Charity Aktionen. Kennt man bei uns in dem Ausmaß gar nicht. 

Die Strecke, die nach Berlin als die Schnellste der Welt gilt, entpuppte sich als relativ schwer zu laufen. Es ging eigentlich immer ganz leicht bergauf und bergab, gefolgt von mehr oder weniger scharfen Richtungswechseln.

Nach der Halbmarathon-Marke kam mein persönliches Highlight: ich sah die zwei Türme der Tower-Bridge. Auch hier war wieder ein tosendes Publikum, welches unseren Weg säumte. So viele Leute, die so toll applaudieren sieht man eigentlich nur im Zielbereich. Ich genoss es und freute mich. 
Bis zum 27. Km lief es ganz gut, mein linker Oberschenkel schmerzte ein wenig, was ich aber zu ignorieren wußte. Dann spürte ich allerdings, dass meine Beine wieder fest wurden. Ich versuchte dem mit ausreichend Wasser und Gels entgegenzuwirken. Wasserstationen waren alle 3 Km aufgebaut (schon fast zu viele). Hier wurden kleine Trinkflaschen gereicht, die die Wasseraufnahme sehr vereinfachten, das war besser als sonst mit einem Becher. Gefühlt würde es jetzt immer hügeliger. An zwei Steigerungen ging ich hinauf und versuchte lockerer zu werden. Ich sammelte Kräfte und erfrischte die Beine immer wieder mit Wasser. Das Wetter war mit 15 Grad und Sonne übrigens perfekt für so einen Lauf.  Ich lief, trotz der Blockade, immer weiter, auf einem Schild stand geschrieben "Shut Up Legs", diesen Satz verinnerlichte ich und dachte an die Endbeschleunigung. 

Ups, da war sie schon, auf meiner Uhr standen jetzt schon 36 Km. In meiner Wahrnehmung wurde das Publikum immer lauter. Das habe ich so noch nicht erlebt. Ich habe wenig von London gesehen, dafür ein fulminantes Publikum. Als Big Ben zu sehen war, war es fast geschafft. Nur noch 1000 m, nur noch 600 Meter, nur nicht 200 Meter. Ich ließ den Buckingham Palast hinter mir und lief überglücklich ins Ziel. Ich war überwältigt. Die Freudentränen liefen. Ich konnte kaum noch laufen. Und da war es wieder. Dieses Grinsen. Wahnsinn. Mein 8. Marathon und das in so einer tollen Stadt. Die 4 Stunden Schallmauer konnte ich an dem Tag nicht durchbrechen. Ich bin nach sehr guten 04:05:49 Stunden ins Ziel gelaufen. Überglücklich mit einer neuen Bestzeit! Mein zweiter Lauf im Ausland! Laufen und Reisen lassen sich sehr gut miteinander verbinden. Es war toll!!!


Micha lief sensationelle 3:15 Stunden, ebenso neue persönliche Bestzeit. Als ich ihn im Zielbereich traf, war er sehr wortkarg und wollte einfach nur nach Hause. Auf meine Frage nach seiner Zeit, schüttelte er einfach nur den Kopf und meinte er habe keine Ahnung. Ihm ging es gar nicht gut und somit suchten wir so schnell wie möglich die nächste Bahnstation, um uns im Hotel zu entspannen und die Erlebnisse zu teilen. 
Er wollte eigentlich locker laufen und schauen, was passiert. Der 3:15-Pacemaker hat es ihm dann aber angetan. Tolle Zeit wie ich finde und endlich auch ganz offiziell. 

Da geht bei uns beiden aber noch etwas. Das nächste Ziel ist der Rennsteiglauf und im September wollen wir endlich unsere Wunschzeiten erreichen, wenn wir in Berlin wieder den Marathon laufen. Ich freu mich drauf. 

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