Sonntag, 16. Oktober 2022

2020 - 2021 - 2022

Ich habe gerade gesehen, dass mein letzter Post schon eine Weile her ist. Im April 2020 schrieb ich vom Chicago Marathon 2019 - in meiner Merkliste sind zwei angefangene Posts zum Boston Marathon - den einen, den ich selbst für mich im April gelaufen bin, und dem anderen - der virtuellen Version im September 2020. Zu Ende gebracht habe ich keinen Bericht. Irgendwie fehlte mir die Muse - die Kreativität. Ich bin gut ins Jahr 2020 gestartet, seit dem Gänsebratenvernichtungslauf im Januar, hab ich jedes Wochenende einen längeren Lauf unternommen. Bin sogar gut ins Triathlontraining reingekommen, war 2x die Woche beim schwimmen und konnte das Radtraining ebenso gut mit einbauen. 

Dann kam Corona. Der Boston Marathon wurde abgesagt und ich entschied mich, diesen alleine zu laufen. Ich bastelte mir eine Startnummer, eine Urkunde und ließ ein T-Shirt anfertigen. Das sollte mein Coronathon werden. Ich lief diesen am 19.04.2020 in einer Zeit von 4:30 Stunden. 4 Runden lief ich im und um den Krugpark hier in Brandenburg. Auf der 4. Runde hatte ich Begleitung. Ansonsten lief ich den Marathon alleine. Da hatte der Kopf einiges zu tun. Komisch, so ganz alleine zu laufen, ohne Publikum am Straßenrand. Ohne Medaille. 

Es folgte der 1. Lockdown. Für uns mit 2 Schulkindern keine einfache Zeit. Da half es, wenigstens beim Laufen den Kopf frei zu bekommen. 3 Wochen Urlaub zu Hause waren ebenfalls eine Herausforderung. 

Es folgte der Sommer. Der Familienurlaub auf dem Hausboot konnte stattfinden. Wir hatten eine entspannte Zeit. Jeden Tag nutzen wir das Stand-Up-Paddle und entdeckten immer wieder neue Ecken auf unseren heimischen Seen und der Havel. 

---------------------------------------------------------------------------------------

Und dann war da wieder so eine lange Schreibpause. Jetzt haben wir den 16.10.2022. Die Corona-Zeit hat wirklich viel von uns abverlangt. Ich bin 2020 noch einmal den virtuellen Boston Marathon gelaufen. 2x hab ich mich hier in Brandenburg auf die Beetzseerunde gemacht. Ich hatte super liebe Begleitung von Daniel und Henriette. Danach kam wirklich per Post die beliebte Einhornmedaille, wow. Die möchte ich mir natürlich noch in Echt verdienen. 

Dann kam eine wirklich schwere Zeit für mich. Im Oktober nach einer herbstlichen Radausfahrt von 55 km bekam ich einen Tag später so einen schweren Hexenschuss, so schwer dass ich gar nicht mehr laufen konnte. Der Rücken machte komplett dicht. Ich dachte mir, okay, das ist nicht das erste Mal, diesmal wirst Du es wieder in den Griff bekommen. Mit Physiotherapie und Schmerzmittel wurde ich behandelt. Ich machte Yoga und tat alles Mögliche. Dann kam der nächste Corona-Winter. 

Ich bekam diese höllischen Rückenschmerzen, die jetzt sogar ins Bein zogen und ein kribbelndes Gefühl verursachten nicht mehr in den Griff. Ich war erst 6 Wochen krank geschrieben. Versuchte wieder zu arbeiten, wir machten noch Urlaub auf Hiddensee. Es wurde allerdings einfach nicht besser. Ich saß dort am Strand und hatte einfach nur Schmerzen. Wandern war gar nicht möglich, Rad fahren nur schwer. Selbst im Liegen hatte ich Schmerzen. Wieder war ich lange krank. Im Februar wurde ein weiteres MRT gemacht und es stellte sich heraus, dass der Bandscheibenvorfall weiter herausgetreten ist. Das erklärte auch die Schmerzen, die vorher im rechten Bein waren, jetzt im linken Bein waren. 

Der Arzt klärte mich über eine mögliche OP auf. Ich hatte riesige Angst, wollte aber kein Leben mehr mit diesen Schmerzen und vor allem wieder laufen, einfach nur schmerzfrei laufen, joggen, leben und ein Leben ohne Schmerzmittel. Im März wurde ich operiert, einige Wochen später fuhr ich zur Reha an die Ostsee. Ich war endlich wieder schmerzfrei. Was für eine neues Lebensgefühl. In der Reha fuhr ich jeden Tag ans Meer und fühlte mich täglich ein bisschen freier. Einfach nur FREI.  

An meinem 40. Geburtstag im Juni 2021 wurde ich entlassen und ich feierte meinen neuen Lebensabschnitt.


TO BE Continued

Mittwoch, 29. April 2020

Der Chicago Marathon am 13.10.2019

Wir haben ein neues Ziel: Die World Marathon Major Serie finishen.  Dazu zählen die Marathons in Berlin, London, Chicago, New York, Boston und Tokyo. 

Mit dem Chicago Marathon am 13.10.2019 sind wir unserem Traum wieder ein Stückchen näher gerückt.  Ich fange aber lieber von vorne an, die Major Marathon Serie läuft man ja nicht mal eben so.


Im Jahre 2011 lief Micha in BERLIN seinen ersten Marathon, Berlin beglückte mich dann 2013 nach der Geburt unseres zweiten Kindes mit dem Erlebnis Marathon. Es folgten Weitere. Und dann irgendwann meinte er, okay, lass uns doch mal probieren, ob wir nicht die World Marathon Major finishen können. Fangen wir mit dem Einfachen an.

Berlin haben wir mittlerweile schon 5x erleben dürfen. Das nächstgelegene war dann London. Über den Reiseveranstalter InterAir meldeten wir uns 2016 für den London Marathon an. Leider mussten wir unseren Start aus gesundheitlichen Gründen in diesem Jahr absagen und wir stornierten ganz naiv unsere Teilnahme. Zu dem Zeitpunkt wussten wir gar nicht, wie heiß begehrt die Startplätze bei diesen Lauf sind. Aufgrund unserer Absage erhielten wir glücklicherweise einen garantierten Startplatz für das darauf folgende Jahr.

  

Ich meldete uns direkt bei dem Veranstalter an, buchte ganz eigenständig Hotel und Flug und somit war der Lauf in der Planung. Im Jahr 2017 waren wir top fit und starteten unter guten Bedingungen bei unserem zweiten World Marathon Major in LONDON. Den ausführlichen Bericht findet ihr unter http://antjerennt.blogspot.com/2017/05/london-marathon-am-23042017.html.

Jetzt fehlten "nur" noch Boston, New York, Chicago und der Tokyo Marathon.



Das könnte sich schwieriger gestalten, dachten wir uns. Wir versuchten es mit Boston und Tokyo. Wir schauten uns die Zielzeiten an, die gefordert werden, um einen garantierten Startplatz zu erhalten. Die andere Möglichkeit ist es, über Los zu gehen, so wie wir es die Jahre immer in Berlin machen. Bisher hat es dort immer mit einem Startplatz geklappt und so dachten wir uns, dass es bei den anderen Läufen ja nicht so schwer sein kann.

Und wieder gingen wir sehr naiv an die Sache heran. Nun versuchen wir schon seit 3 Jahren vergeblich bei unterschiedlichen Reiseveranstaltern einen Startplatz für den Boston Marathon zu bekommen. Mittlerweile ist es so, dass auch die Reiseveranstalter nach dem Losverfahren gehen, da die Nachfrage größer ist, als das Angebot.

Wir änderten ein wenig die Strategie und favorisierten für 2019 den Chicago Marathon. Wir hatten recherchiert, dass es hier noch recht einfach sein soll, bei der Auslosung einen Startplatz zu erhalten. Micha hat letztes Jahr in Berlin mit seiner Bestzeit von 2:59:52 Stunden die Zielzeit erreicht, um garantiert einen Startplatz zu erhalten. Ich ging über Los. Im November erhielten wir die erfreuliche Nachricht über die Startplätze.

Chicago hat uns schwer beeindruckt. Wir sind bereits eine Woche vor dem Start angereist und 
hatten genug Zeit, um uns Chicago anzusehen. Wir sind durch die Wolkenkratzerschluchten gegangen, badeten im Lake Michigan und besuchten eines der besten Naturkundemuseen der Welt, das Field Museum. Höhepunkt dieser Reise war am Sonntag der Chicago Marathon.

    

Das Wetter hatte sich an dem Sonntag auf 4 Grad abgekühlt, im Laufe des Tages ging es bei sonnigen Wetter auf 9 Grad hoch. Gute Bedingungen für einen Marathon. In Amerika starten die Marathons sehr früh, 7:30 Uhr fiel der erste Startschuss. Mein Block wurde 8:00 Uhr auf die Strecke geschickt.
Gut in Form waren wir beide leider nicht, den Trainingsrückstand konnten wir aufgrund von Infekten bei mir und Achillessehnenproblemen bei Micha nicht mehr aufholen. Wir lockerten die Tage vor dem Lauf unsere Muskeln entsprechend mit Sightseeing, Rad fahren und kleineren Läufen. Wir wollten den Marathon gesund durchlaufen, das war das Ziel. Es sollte unser Dritter der Major Serie werden.
Es ist immer ein Gänsehautmoment, wenn erst die Nationalhymne erklingt und sich dann die Massen (hier ca. 45.000 Läufer) in Bewegung setzen. Ich war schon ziemlich aufgeregt und neugierig, wie es bei meinem 17. Marathon laufen wird.

Chicago nennt man auch „The Windy City“. In den Wolkenkratzerschluchten wehte teilweise einer starker Wind. Aber es war okay, denn dieser Wind kam meistens von hinten. Die ersten Kilometer flogen nur so an mir vorbei. Das Publikum in Amerika kann einen richtig gut einheizen. An jeder Ecke wird gejubelt, es werden Bilder der Läufer hochgehalten, Schilder an denen man seine „Kraft“ wieder aufladen kann, es werden Salzstangen und Gummibärchen gereicht, Kinder freuen sich, wenn man mit ihnen abklatscht. Den Halbmarathon bin ich einer schnellen Zeit von 1:56 Stunden durchgegangen.
30 Kilometer sind so an mir vorbeigeflogen und ich spürte gar nicht, dass mein Körper eigentlich nicht in der Lage für Bestzeiten ist. Ich hatte die ganze Zeit einen Druck in der Magengegend, irgendwann gab ich dem Bedürfnis nach und suchte mir eine Toilette. Diese waren bei dem Lauf leider etwas abseits der Strecke. Als ich auf dem stillen Örtchen zu mir kam, zitterte ich am ganzen Leib und mir wurde klar, dass ich es gerade deutlich übertreibe. Wenn ich gesund ins Ziel einlaufen möchte, sollte ich es auf den letzten Kilometer "ruhiger" angehen lassen. Ich hatte darüber eigentlich keine Kontrolle mehr, der Körper übernahm die Führung und ich wurde deutlich langsamer, ich musste gehen und mehrere Stops einlegen. Ab dem 40. Kilometer war ich schon fast am Verzweifeln. Selbst das Gehen fiel mir unheimlich schwer. Ich versuchte mich abzulenken, lief immer wieder an.

Dann sah ich die letzte Meile, nahm alles zusammen was ich hatte und lief mein Rennen zu Ende.
Glücklich und zufrieden erreichte ich nach 4:39:50 Stunden das Ziel. Die Volunteers waren sehr sehr herzlich und gratulierten jedem Einzelnen zu ihrem Finish. Micha war nach 3:25:29 Stunden im Ziel.


Jeder Marathon ist für sich immer wieder ein Erlebnis, immer wieder anders. Unglaublich was ich hier erleben hatte. Mein Geist hat sich mitreissen lassen, von dieser Stadt und von dieser Atmosphäre bis dann irgendwann der Körper sagte, Halt - Stop - was tust Du da gerade, das wird nicht gut ausgehen, wenn Du weiter so durchbrennst.

Marathonlaufen ist einfach unbeschreiblich und immer wieder anders. Die Vorbereitung ist alles.

Chicago ist eine Mega City, ich kann diesen Lauf und auch diese äußerst sportliche Stadt nur jedem empfehlen. Macht es einfach :-) 

Samstag, 18. Mai 2019

Paris Marathon am 14.4.2019 - Ein Traum wird wahr, die 4 Stunden sind geknackt!

Am Sonntag, den 14.4.2019 standen wir pünktlich 9 Uhr an der Startlinie am Champs-Élysées in Paris um unseren ersten Marathon in diesem Jahr zu laufen. 12 Wochen hartes Marathon-Training liegen hinter mir. 

Den Startschuss gab der Gänsebratenvernichtungslauf am 05.01.2019. Seitdem habe ich beinahe jedes Wochenende einen langen Lauf über 30 Kilometer absolviert. Der Greif-Plan ist auch ein Fleiß-Plan. 3 Einheiten pro Woche umfasst er: den Tempodauerlauf, Intervalltraining und den langen Lauf von 35 km. In einer Woche kamen so 60-70 Kilometer zusammen. Die Einheiten haben viel Kraft gekostet und bis zum letzten 30er war ich sehr erschöpft. Dennoch hatte ich in den 12 Wochen keine Probleme während des Trainings - keine Erkältung - keine muskulären Probleme, der Rücken machte alles problemlos mit. Ich horchte oft in mich hinein - aber da war nichts. Meine Form ging nach oben. 

Wir haben für den Paris Marathon ein langes Wochenende geplant und sind Freitag Nachmittag von Berlin/ Tegel nach Frankreich geflogen. Wir hatten ein nettes kleines Hotel direkt in der Innenstadt gebucht, nicht weit entfernt vom Champs-Élysées, dem Startbereich des Marathon. 

Einen Tag vor dem Lauf lockerten wir noch vor dem Frühstück die Beine und liefen zum Louvre. Nach dem Frühstück ging es erst zur Marathonmesse und dann mit dem Hop-on Hop-off Bus auf Sightseeingtour. Wir haben uns die Mona Lisa im Louvre angesehen und die - zu dieser Zeit noch mit Kirchturm bestehenden - Notre Dame angeschaut. Abends gab es gute Kohlenhydrate in Form von Pizza.

Es war erstaunlich, dass weder am Freitag, noch am Samstag nichts zu erkennen war, dass am Sonntag der größte Marathons Europas in Paris statt finden sollte. Es waren keine Absperrungen zu sehen und Läufer waren auch kaum unterwegs. 

Selbst am Renntag auf dem Weg zum Start war wenig vom zweitgrößten Marathon der Welt zu sehen. Als wir aber um die Ecke Richtung Startbereich bogen, waren sie auf einmal alle da. Tausende Läufer aus aller Welt. Auf der Startnummer stand nicht nur der Name des Läufers, sondern auch das Land ihrer Herkunft. 

Wettertechnisch hätte es nicht besser laufen können - vier Grad und Sonne satt, im Verlaufe des Tages sollte es auf 10 Grad hochgehen. Beste Bedingungen einen Marathon zu laufen.

Im Startbereich sortierten wir uns in dem Block für eine Zeit von 3:45 Stunden ein. Micha konnte aufgrund eines Muskelfaserrisses das Training erst 2 Wochen vorher aufnehmen, sodass er es heute locker angehen wollte. Für mich war dieser Block genau richtig. Der Lauf bietet 60.000 Läufern einen Startplatz. Das bedeutet, dass heute ziemlich viel Verkehr sein wird. 


Da es noch recht kühl war an dem Morgen hatte ich mir einen Pulli übergezogen, den ich nach einigen Kilometern wegwerfen konnte. Irgendwann ging es endlich los. Ich hatte hin und her überlegt, was mich heute noch hindern sollte die 4 Stunden zu knacken - mir fiel nichts ein, ich hatte keine Ausreden mehr, es sollte heute klappen. 

Ich hatte eine Pace von 5:30 Minuten pro Km angepeilt. Egal wie schnell alle um mich herum sind, Ziel war es locker mit 5:30 durchzulaufen. Wir liefen den Champs-Élysées herunter und dann ging es mitten durch die Stadt. Ich war gut im Flow. Bei Kilometer 5 war ich endlich warm und ließ meinen Pulli am Straßenrand liegen.

Die ersten Kilometer versuchte ich die Pace im Blick zu haben. Gefühlt verging diesmal die erste Hälfte sehr schleppend, also dass ich jeden Kilometer sehr bewußt wahrgenommen hatte. Sonst ist es immer andersherum, dass ich mir ab 35 km jeden einzelnen Km erkämpfe.
Wo wir dann genau lang liefen kann ich nicht mehr so ganz nachvollziehen, Trommler heizten die Läufer an, ein paar Bands waren auch am Straßenrand. An einigen Hotspots war viel Publikum unterwegs und an einigen Punkten würde es so eng, dass man oft abbremsen musste. Die Verpflegungspunkte waren alle 7 Kilometer gut positioniert. Der Wassersponsor Vittel hatte hinter jedem Verpflegungspunkt Container aufgestellt mit Zielscheiben, wo die Wasserflaschen entsorgt werden sollten. Man konnte sich daraus richtig einen Spaß machen.

Natürlich kamen wir auch am Eifelturm vorbei und es ging weiter entlang der Seine. Hier wurde es etwas hügelig, da wir direkt am Wasser an der Kaikante entlang liefen und an jeder Brücke eine Steigung kam. Die Temperaturen blieben mit 12-14 Grad sehr angenehm. Meine Beine machten alles super mit, es war wie am Start, ich horchte in mich hinein, da war aber nichts, nichts was mich heute daran hindern sollte unter 4 Stunden zu laufen. Ich hielt die Pace.

Dann waren es nur noch 2 Kilometer. Die zähle ich meist schon nicht mehr mit, das sind nämlich meine Party Kilometer, ab Kilometer 40 wird gefeiert. Und so war es dann auch, kurz vor dem Ziel wurde es nochmal eng und ziemlich voll. Einige Läufer musste ich etwas beiseite schieben, um an ihnen vorbeizukommen. Ich schaute auf die Uhr und zog nochmal das Tempo an. Nur noch 400 Meter bis zum Ziel. Wir bogen zum Champs-Élysées ab und da war es schon - das Ziel. Und meine Uhr zeigte fantastische 3:56:38 Stunden.


Es war toll. Mein Traum wurde wahr. Alle Entbehrungen der letzten Wochen haben sich in diesem einen Moment bezahlt gemacht. Das war der Lohn und ich wurde reich beschenkt. Ich bin so dankbar es geschafft zu haben. Die magische Sub4 ist somit geknackt.


Alles ist machbar, wenn man es nur möchte!

Ich glaube bei meinem letzten langen Trainingslauf ist der Knoten geplatzt - ich hab bei der Endbeschleunigung ein Lied gehört, was mir unheimlich viel Antrieb gegeben hat:  
"I have a Dream" von ABBA

Montag, 7. Januar 2019

ATHEN MARATHON - der Authentische am 11.11.2018, Griechenland

Anfang des Jahres machten wir unsere Reise- und Marathon-Planung. Ganz klar gesetzt war der Two Ocean Marathon in Südafrika, der Prag Marathon und hinzu kam noch Athen. Warum Athen? Warum eigentlich nicht! Wo kommt der Marathon eigentlich her? Klar aus Griechenland - warum nicht den EINEN - den Authentischen laufen. Sowas lässt sich wunderbar an einem Wochenende planen. Was gut vereinbar mit den Kids und den Großeltern ist.

   

Am Sonntag den 11.11.018 war es dann soweit. Wir hatten die Reise mit dem Reiseveranstalter Schulz Sportreisen gebucht. Es ist sehr angenehm jemand anderen die Reiseplanung zu überlassen. Wir mussten nur noch selbst den Flug buchen. Um die Unterkunft, die Anmeldung zum Lauf und die Aktivitäten rings herum kümmerte sich der Reiseveranstalter. 


Am Freitag in aller Frühe ging es los und wir flogen Nonstop von Berlin nach Athen. In Athen angekommen nahm uns Ecki von Schulz Sportreisen gleich in Empfang und erklärte uns den Weg in die Stadt zu unserem Hotel. Am Abend trafen wir uns zum Briefing und zur Vergabe der Startunterlagen im Hotel. Unser Veranstalter hatte erzählt dass an dem Abend die AIMS Gala ist, für die er noch 2 Karten übrig hat. Die Gala wo die Besten Marathonläufer des Jahres geehrt wurden, außerdem erhielten einige internationale Marathons ebenso Auszeichnungen für ihre Umweltfreundlichkeit und ihr Soziales Engagement.

Eluid Kipchoge und Gladys Cherono aus Kenya wurden geehrt, Kipchoge war leider nicht persönlich anwesend, aber mit Gladys Cherono konnte man nach der Ehrung ein Pläuschchen halten.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der Gruppe erst zur Akropolis und dann zum Dorf Marathon. Ich war schon sehr gespannt. Die Akropolis ist schon ein erstaunliches Monument. Nach der Führung ging es zum Dorf Marathon und ins Marathon Museum. 


Wir fragten und schon was man denn dort ausstellen könnte. Es wurden Persönlichkeiten vorgestellt, der Bezug zu den Olympischen Spielen und es waren viele unterschiedliche Medaillen zu sehen. Am Nachmittag wurde dann im Dorf Marathon die Veranstaltung feierlich mit der Marathon-Fackel eröffnet, fast so wie bei den Olympischen Spielen.

   
  

Weiter ging es zur Marathon-Messe, für mich ein sehr wichtiger Bestandteil einer Laufreise. Leider hatten wir hier nur 1 Stunde zur Verfügung. Am Abend gingen Micha und ich essen und machten Carboloading mit Pizza und Wein.

Am Renntag fuhren wir sehr früh mit Shuttlebussen zum Dorf Marathon. Das war sehr gut organisiert, ohne langes Warten oder anderen Komplikationen. Selbst unser Hotel hatte ab 5 Uhr das Frühstück organisiert.


Im Startbereich angekommen hatten wir sehr viel Zeit um uns auf den Lauf vorzubereiten. Es wurden Gepäckautos zur Verfügung gestellt, welche unsere Sachen nach Athen transportierten und es wurde Wasser verteilt. Als wir mit allen Vorbereitungen fertig waren, gingen wir zur Startlinie und schauten was ganz vorne so los ist. Dort erwärmten sich schon die Top Läufer.
Diesen Lauf wollten wir locker angehen, somit hatten wir jetzt auch Zeit uns in Ruhe den Start anzusehen. Gestartet wurde in 10 Blöcken. Wir hatten viel Zeit.

Wir sind bei diesem Lauf ohne Ziele an den Start gegangen, weil wir in Berlin bereits unser Leistungshoch erreicht hatten und wir Athen wirklich erleben wollten. Den EINEN - den Authentischen. Wo im Jahre 490 vor Christus der griechische Botschafter Pheidippides von Marathon nach Athen gelaufen ist, um den Sieg über die Perser zu verkünden und vor Erschöpfung zusammenbrach und starb.

Für mich war der Lauf auch wir ein kleiner Tod. Wir starteten gegen 9 Uhr. Die Sonne stand schon recht hoch und wir hatten um die 20 Grad. Wir liefen nur auf der Straße und am Straßenrand befanden sich kaum Bäume oder Sträucher. Die Sonne war das erste was mir zu schaffen machte. Mein Plan war die ersten 20 km locker durchzulaufen, danach wollte ich mich von Getränkepunkt zu Getränkepunkt arbeiten. Ziemlich am Anfang ging es schon kontinuierlich bergauf, erst etwas unscheinbar dann gnadenlos. Wir liefen kurz hinter Marathon durch einen Ort in dem am 23.7.2018 ein schweres Feuer wütete, man sah noch überall das Ausmaß dieser Katastrophe, 90 Menschen mussten ihr Leben lassen. Es war eine Tragödie. Im Startbereich wurden grüne Bänder verteilt um darauf aufmerksam zu machen und ein Zeichen zu setzen. Ein Zeichen der Hoffnung. Das hat uns sehr bewegt. Diese Solidarität passte auch zu meinen Beweggründen diesen Lauf jemanden zu widmen. Meine Gedanken waren ganz oft bei ihr! In diesem Momenten bin ich dankbar - dankbar einfach laufen zu können, es klingt so einfach.


Vorbei ging es an dem verbrannten Ort und weiter bergauf. Letzte Woche machte unser Immunsystem schlapp und wir fingen uns einen kleinen Infekt ein. Als ich so den Berg hinauflief und mein Puls auf 170 anstieg sagte ich mir „warum eigentlich“ - mach locker - riskiere keine Herzmuskelentzündung, zu gehen ist ja keine Schande.

Ich nutze jeden Erfrischungspunkt um mich abzukühlen und um Wasser aufzunehmen. Die Verpflegung war echt super. Es gab neben Wasser auch Gels, Nussriegel und Schokolade, Bananen und Cola wurden ebenso gereicht.

Ab 30 km wurde es richtig hart - laufen - gehen - laufen - gehen - damit lief ich ganz gut. Und irgendwann wurde ich nicht mehr überholt und viele um mich herum fingen auch an zu gehen. Die letzten Kilometer in Athen waren der absolute Höhepunkt. Der Weg zum Stadion führte nur noch bergab. Links und rechts säumte ein jubelndes Publikum den Weg. Der Einlauf in dieses alte Stadion war grandios - Gänsehautfeeling pur. Ich genoss den Moment und freute mich es nach 5:05:47 Stunden endlich anzukommen. Mein erster Marathon über 5 Stunden. Es war wirklich hart: zu viele Steigungen, zu viel Sonne, sehr schwere Beine und der Kopf war schon vor dem Lauf in der Off-Season.

  

Der Einlauf im Stadion und die hübsche Medaille entschädigte ein wenig die Strapazen. Das war jetzt mein 15. Marathon und mein 5. in diesem Jahr. Jetzt ist es wirklich Zeit für die Off-Season. Die Pläne/ Läufe fürs nächste Jahr stehen auch schon fest.

Ich besinne mich jetzt auf ein bisschen Yoga, Funktionstraining, Lauf-ABC und Schwimmtraining. Mein Rücken braucht mehr Rückhalt, damit ich diese Leidenschaft fürs Laufen weiter ausleben kann. Ein verrücktes Laufjahr war das - schön war es.

Montag, 10. Dezember 2018

45. Berlin Marathon am 16. September 2018

Eluid Kipchoge läuft am Sonntag, den 16. September 2018 den Weltrekord im Marathon in einer Zeit von 02:01:39 Stunden. Dieser Mann kann wirklich fliegen.

Als er die 10 km schon hinter sich hatte, ging es für mich gerade mal los an der Startlinie beim 45. Berlin-Marathon. Es sollte mein 14. Marathon werden. Vor ca. 3 Wochen bin ich spontan Nummer 13 beim Scholle-Marathon in Brandenburg/ Havel gelaufen. Jetzt stand ich wieder kurz vor einem Marathon- vor DEM MARATHON in BERLIN. Die Aufregung ist jedes mal riesig. Wie wird es heute werden. Wie war das Training in den sehr heißen Sommermonaten. 

3 Tage vor Trainingsbeginn (in meinem Sommerurlaub) ereilte mich Anfang Juli ein Hexenschuss. Trotz Wirbelsäulengymnastik und zusätzlichen Funktionstraining bekomme ich mein altes Problem "Rücken" nicht in den Griff. Eine Woche lang tat ich erstmal nichts, dann wurde mir klar, dass hier nur Bewegung das Problem beheben kann. Also lief ich wieder los. Zwar wie eine Oma mit Buckel, aber siehe da, während des Laufs richtete ich mich immer weiter auf. Zusätzlich bin ich noch geschwommen. Durchs "sitzen" kamen die Schmerzen wieder. In meinem Kopf verankerte es sich immer mehr, dass hier wirklich nur Bewegung helfen kann. 

Das schwimmen half mir enorm. In unserer letzten Urlaubswoche war ich jeden morgen 1 Stunde schwimmen, das tat meinen Rücken sehr gut. Die Laufeinheiten absolvierte ich im Wald, bei dem heißen Sommer gab es keine andere Möglichkeit. Die "harten" Trainingseinheiten, also die Intervalle und langen Läufe absolvierte ich zu 70%. Der Plan soll wenigstens in etwa erfüllt sein, einen Einbuch wollte ich in Berlin nicht nochmal erleben. Die langen Läufe machte ich am Wochenende, davon konnte ich knapp 3 um die 30 km absolvieren, wovon einer der ungeplante Scholle-Marathon war. Die anderen beiden langen Läufe waren sehr quälend, entweder zu heiß oder ich hatte zu wenig Schlaf. 

Der Scholle-Marathon sollte ein Test sein, ob mein Rücken es mitmacht. Die Rückenschmerzen sind nach der manuellen Therapie nun in den Po gewandert und drücken dort auf den Ischias. Jetzt habe ich das Problem das stehen oder langsames gehen schmerzhaft ist und sogar der Fuß anfängt zu kribbeln. Beim Scholle-Marathon läuft man je 4 Runden á 10 Kilometer querfeldein durch ein Waldgebiet. Unterwegs hat man 2 liebevoll eingerichtete Verpflegungspunkte, bei denen man aufpassen muss, am Ende nicht noch ein paar extra Kilos mitzunehmen, statt sie abzulaufen. Geplant waren eigentlich 3 Runden, Micha sollte die letzten 7 Kilometer übernehmen. Ich war allerdings so gut drauf, dass ich mich entschied, den Marathon durchzulaufen. Und am Ende winkte eine tolle handgefertigte Medaille aus Holz und Stahl. Die wollte ich mir unbedingt erlaufen. Mit einer Endbeschleunigung lief ich meinen 13. Marathon in einer Zeit von 4:37:10 Stunden. Es war so schön und ich muss sagen, dass der Scholle-Marathon ein ganz besonderer Lauf ist. Lieben Dank an Olly und seine Leute von "Gib Alles".

Der Test lief super, also sollte ich vor Berlin keine Angst haben, der Rücken macht das schon mit.

Nun stand ich hier, an der Startlinie - die Intromusik ertönte und mit ihr kam die Gänsehaut. Immer dasselbe - und immer wieder aufregend. Dafür brenne ich, für den Marathonlauf.


Ich startete in der 3. Welle und hielt diesmal Ausschau nach dem 4-Stunden-Pacemaker. Ich wollte einfach mal dran bleiben. Mal schauen, wie es ist konstant durchzulaufen und hinterherzulaufen - diese Idee hatten allerdings 1000 andere Läufer auch - die 4 Stunden Marke ist ja so eine Magische Marke - der Durchschnitt kann einen Marathon unter 4 Stunden laufen - mein großer Traum ist es, das einmal zu schaffen. Das heute nicht ganz so gut wird, wußte ich schon, aber ich wollte es angehen und gucken, wie weit ich mit meinem Training von 70% kommen kann. 2-3 Kilometer blieb ich an ihm dran, er versuchte sich frei zu laufen und war auf einmal weg und die Horde mit ihm. Ich lief mein Tempo und hielt es in der ersten Hälfte bei 5:45 Minuten pro Kilometer. Ich wurde auf der zweiten Hälfte etwas langsamer, aber nicht wesentlich viel. Das Publikum, die Bands, die Trommler - sie trugen mich an diesem Tag und die Kilometer flogen nur so an mir vorbei. Die Getränkepunkte nutzte ich, um mich abzukühlen und zu trinken. Das klappte heute recht gut.


Berlin ist ja immer ein Erlebnis - da ist Jan mit seinem Schlagzeug "seit 2008 dabei", der Heavy-Metall Balkon und die RBB Cheerleader, am Rande passiert soviel und man merkt gar nicht wie man die 42,195 Kilomter hinter sich lässt.

Das atemberaubendste an Berlin ist der Durchlauf durchs Brandenburger Tor - am Gendarmenmarkt rief neben mir eine Läuferin schon völlig erschöpft "where is the gate - where is the gate" - einmal nach links - nach rechts und wieder links - und da war es - das Publikum säumte rechts und links die Straße zum Brandenburger Tor" hier lief vor guten 2 Stunden Kipchoge seinen neuen Weltrekord und jetzt läufst Du hier entlang, es feuern Dich fremde Leute an, die Deinen Namen auf Deiner Startnummer lesen und Du bist einfach nur beflügelt - gleich ist es geschafft - durch das Tor und nochmal 200 Meter. Du reißt die Arme nach oben, Dein Chip piept, Deine Uhr zeigt Dir ein tolle Zeit an - kein Einbruch - Du hast es geschafft - mal wieder. Und dieses Gefühl beflügelt Dich immer wieder aufs Neue und genau deshalb machst Du das und genau deshalb brennst Du für diesen Sport.

Am Ende stand eine 4:09:10 Stunden auf meiner Uhr. Meine bisher 2.-Beste Zeit im Marathon. Ich war sehr zufrieden und hätte nicht gedacht, dass ich das in diesem Jahr noch so gut meistern kann.


Micha hat mich übrigens sehr begeistert. Er drückte mir im Zielbereich seine Urkunde in die Hand - und da standen unglaubliche 2:59:56 Stunden drauf. Das harte Training, die strenge Ernährung und das Funktionstraining haben ihn endlich sein Ziel erreichen lassen. Ich bin so stolz und er selbst kann es kaum glauben. 

BERLIN IST WIRKLICH SCHNELL und ich kann nur jedem raten, wer mal einen Marathon laufen möchte, sollte es hier tun - hier geschehen Wunder!

Samstag, 15. September 2018

SÜDAFRIKA: Two Ocean Marathon in Kapstadt am 31.03.2018

Entschuldigt die Verspätung, ich hatte in den letzten Monaten ein wenig zu tun mit der Planung einer Einschulung, der Sommer-Urlaub und mit dem Training für den Berlin Marathon -  aber hier ist er endlich: mein Bericht zum Two Ocean Marathon in Kapstadt.

10 Tage waren wir in und um Kapstadt unterwegs. Der Two Ocean Marathon mit seinen 56 Km war am Ostersamstag der Höhepunkt dieser Reise. Einige Tage zuvor machte ich mir Gedanken, wie man das mit einer Vorbereitung, die nicht wirklich gut war, schaffen kann. Die Zielzeit von 7 Stunden setzte mich zusätzlich unter Druck. 3 lange Läufe hatte ich in der Vorbereitung „erst“ geschafft, von Tempoeinheiten möchte ich gar nicht erst reden. Die ersten Tage in Kapstadt waren traumhaft, dank der tollen Organisation der Laufschule by bunert. 

Wir, das waren eine 14-Personen starke Truppe aus Läufern und Triathleten. Einige wollten den Halbmarathon laufen und einige die 56 Km. Die Gruppe hatte genau die richtige Größe und da alle dieselbe Leidenschaft haben, gingen uns nie die Themen aus. 

Wir wurden in Restaurants geführt, die wir selbst nicht gefunden hätten. Am Tag unserer Anreise nahmen wir unser Brunch auf dem Rhodes Memorial ein mit Blick auf die Stadt, die Sonne schien und es war angenehm warm. Ich muss noch erwähnen, dass wir bei unserer Abreise von Berlin einen „schönen“ Schnee-Matsch-Schauer erlebten und dass unser Flugzeug Verspätung hatte, da es enteist werden musste. Ich freute mich um so mehr auf angenehmere Temperaturen.

Abends an diesem Tag probierten wir im „Mama Africa“ afrikanische Spezialitäten wie Warzenschwein, Springbock und Krokodil. Es war reichlich und schmeckte wirklich gut. 


Am nächsten Tag wanderten wir den Tafelberg hinauf. In guten 1 1/2 Stunden waren wir oben und hatten eine fantastische Aussicht auf Kapstadt. Die Tour war sehr anspruchsvoll und uns begegneten unterwegs immer wieder Läufer in beide Richtungen. Stolpernd oder singend. Die Mentalität ist toll. 

Die Tage waren gut gefüllt, aber immer entspannt geplant mit ausreichend Pufferzeiten zur Erholung. Die Kayaktour zu den Pinguinen war ebenso ein Highlight. 

Trainingsläufe machten wir natürlich auch. Der Erste war am Chapmans Peak. Der anspruchsvolle Teil der Laufstrecke des Two Ocean Marathon. Es geht ca 7 Km immer der Küste entlang bergauf. An diesem Tag liefen wir ganz entspannt hinauf und genossen die tolle Aussicht. 




Sven von der Laufschule kennt Kapstadt und den Lauf wie seine Westentasche. Den Rest der Strecke fuhren wir mit den Autos ab und mir wurde bei den weiteren Anstiegen etwas mulmig. Klar es ging auch die 5 Km wieder bergab, aber welche Belastung müssen die Beine aushalten, wenn sie schon 35 Km gelaufen sind. 

In Gedanken fing ich an zu rechnen, welchen Km-Schnitt man braucht, um die 56 km in 7 Stunden zu schaffen. Am Mittwoch holten wir unsere Startnummern ab und bummelten über die Messe, alles klappte ganz gut. Es wurde langsam Ernst. 


Einen Tag vor dem Marathon war der Friendship Run an der V&A Waterfront entlang - der Lauf der Nationen. Am Abend zuvor machten wir eine Sunset Cruise Tour mit einem Katamaran, währenddessen es plötzlich heftig anfing zu regnen. Dieser Regen setzte sich am Tag des Friendship Run weiter fort. Wir konnten kaum glauben, dass es seit Monaten und Jahren zu wenig geregnet hat. 


Der Friendship Run machte trotz des verregneten Wetters sehr viel Spaß, ein bisschen die Beine auslaufen und sich nebenbei nett unterhalten und na klar, zeigen wo man herkommt. Abends gab es wieder ein sehr leckeres Essen in einem Restaurant, dass an einem Küstenabschnitt lag, von wo man einen herrlichen Blick auf den Tafelberg hat.

Am 31.03.2018 ging es in aller Frühe nach Newlands zum Start des Marathon. Wir waren alle schon sichtlich nervös. Der Startschuss fiel 6:30 Uhr. 



Die erste Hälfte liefen wir recht konstant. Es ging ohne größere Steigerungen durch kleine Orte am Atlantischen Ozean entlang. Die Verpflegung war alle 3 km hervorragend organisiert. Nach der Hälfte gab es sogar gekochte Kartoffeln für die Läufer. Uns fehlten in der Trainingsvorbereitung aufgrund einer Grippewelle die langen Läufe, Ziel war heute nur das Ankommen. Ich war sehr besorgt bei der Vorgabe der Zielzeit von 7 Stunden. Alle Läufer, die danach ins Ziel kommen, werden nicht gewertet und erhalten auch keine Medaille.

  

Nach 3 Stunden hatte ich die Hälfte (28 km) hinter mir. Die Marathonmarke von 42,195 km erreichte ich nach 4:52:49 Stunden. Bei diesem Ultramarathon sollten jetzt noch 14 km drauf gelegt werden. Als ob die Steigerungen vom Chapmans Peak nicht ausreichten, sollte nach der Marathon-Distanz eine 5 km lange Steigung folgen. Es ging zum Glück auch 5 km wieder runter, allerdings war die Straße von seitlich abschüssigen Bodenwellen durchzogen, mehr als ein 7 Minuten Schnitt pro km war nicht mehr drin. Das Wetter war mit sonnigen 24 Grad ganz ganz ok. Durch die vielen Verpflegungspunkte konnte man sich jederzeit wunderbar mit kleinen Wassertüten abkühlen. Nach der letzten Steigung ging es meist bergab zum Universitätsgelände. 

Hier wartete schon ein fulminantes Publikum um die Läufer auf ihren letzten Metern anzufeuern. Bei mir standen jetzt 6:45 Stunden auf der Uhr, ich legte den Endspurt ein und freute mich auf die Medaille mit dem blauen Rand.


Bei diesem Lauf gibt es noch eine Besonderheit neben der „engen“ Zielzeit von 7 Stunden- es gibt 5 Medaillen-Kategorien: Gold für die ersten 10 Läufer, Silber für die, die unter 4 Stunden laufen, eine bunte Sainsbury-Medaille bekommen die Läufer, die unter 5 Stunden gelaufen sind, Bronze für alle die das ursprüngliche Zeitlimit von 6 Stunden unterboten haben und blau für die übrigen Läufer, die unter 7 Stunden das Ziel erreichen.

Erschöpft und glücklich meinen zweiten Ultralauf (der erste war 2017 am Rennsteig mit 74 km) und den 11. Marathon geschafft zu haben, lief ich nach einer Zeit von 6:45:18 Stunden ins Ziel. Micha erhielt mit einer Zeit unter 6 Stunden die Medaille in Bronze.

Die Tage in Südafrika waren unbeschreiblich schön. Wir haben viel erlebt, sind mit Pinguinen gepaddelt, mit Haien geschwommen und haben uns kulinarisch sehr verwöhnen lassen. Kapstadt ist sehr empfehlenswert. Und wieder hat uns Afrika in seinen Bann gezogen. 

Dienstag, 27. März 2018

Südafrika zur Osterzeit - Two Ocean Marathon

Mittlerweile ist es März und wir sind in Südafrika.

Die Ziele für 2018 stehen lange fest und es sind wieder ein paar spannende Läufe mit dabei. Letztes Jahr war der London Marathon unser absolutes Highlight. Ich hatte einen neuen Trainingsplan und das Glück dass meine Leistungskurve konstant nach oben zeigte. Das Glück bei den vielen harten Trainingseinheiten gesund zu bleiben begleitete mich ebenso. Mit einer tollen Bestzeit von 4:05:46 Stunden pflasterte ich die Londoner Straßen. Stolz waren wir, stolz auf unsere neuen Bestzeiten und darauf in den Genuss eines weiteren tollen Laufs zu kommen. London mussten wir ja aufgrund gesundheitlicher Probleme im Jahr 2016 absagen.
Jetzt steht der Two Ocean Marathon in Kapstadt auf dem Plan. Bis vor ca 4 Wochen war ich gut im Plan mit meinen langen Trainingsläufen. Bei den 56 Km am Ostersamstag am Kap der guten Hoffnung möchte ich einen guten Lauf machen, Zeiten stehen nicht im Vordergrund bei dem schönsten „Marathon“ der Welt. Wir möchten den Lauf zwischen den Ozeanen genießen.


Vor 3 Wochen ist unsere Frieda an einem grippalen Infekt erkrankt, dann hat es mich erwischt, vorletztes Wochenende Paul und zu guter Letzt auch Micha. Ich wollte noch beim Team-Marathon Anfang März viele Kilometer sammeln und nochmal einen langen Lauf machen. Die Teilnahme musste ich absagen, es zog im Rücken und seit Tagen quälte mich ein Husten. Am Nachmittag des Laufes kam der Infekt richtig durch und Montag lag ich mit Fieber im Bett. Die Absage des Team-Marathon war die bessere Entscheidung.

Man kann einen Marathon nur gut finishen, wenn man gesund ist. Es sind und bleiben lange 42 Km.
Der Husten war noch lange da, aber ich bin beinahe jeden Tag auf dem Fahrrad gewesen, habe fleißig meine Kraft- und Rückenübungen und arbeitete mit der Faszienrolle, ach ja die Physio hat mich auch sehr unterstützt.
Jetzt sind wir in Südafrika und in 4 Tagen starten wir beim Two Ocean Marathon.


        


Wir haben für die 56 Km 7 Stunden Zeit. Ich werde laufen bis es nicht mehr geht und gehen bis es wieder läuft, ich freue mich dabei zu sein und eine schöne Zeit zu haben. Die ersten Tage die wir bisher hier  verbracht haben sind schon sehr erlebnisreich gewesen. Wir haben den Tafelberg bestiegen, waren auf Mini-Safari und haben gestern mit dem Kayak die Pinguinkolonie besucht



Südafrika ist ein tolles Reiseland und das Wetter tut sein übriges. Viel Lebensfreude, tolles Essen und leckerer Wein begegnen uns hier. 


SPANNENDE TAGE LIEGEN NOCH VOR UNS...

Folgt mir auf Instagram: antj_e

Montag, 1. Januar 2018

Rundreise KANADA - von Vancouver nach Calgary

Wir sind jetzt schon wieder eine ganze Weile zu Hause. Die Reise nach Kanada Ende Juli war einfach unglaublich schön. Ein weites sehr großes Land und ein großes Abenteuer liegt hinter uns. 

Wir sind mit dem Auto über 3500 Kilometer weit gereist. Von Vancouver nach Calgary. In Vancouver  hatten wir leider nicht soviel Zeit und haben somit, den Jetlag und die wenige Zeit, die wir haben dort sehr effektiv für uns nutzen können. Wir sind mit einem Wasserflugzeug über die Stadt geflogen und haben eine Hopp-on Hopp-off Tour gemacht.


Morgens ging es gleich zum laufen in den angrenzenden Park. Die Bären-Warnschilder machten uns ein wenig Angst, aber nach den ersten Kilometer hatten wir mehr mit uns und dem Gefälle zu tun als mit der Angst einem Schwarzbären zu begegnen.


Bevor wir nach Vancouver Island weiter fuhren, liefen wir den letzten Morgen in Vancouver im Stanley Park. 10 Kilometer liefen wir um das Eiland und genossen den Sonnenaufgang. 

Dann ging es mit der Fähre nach Vancouver Island - hier hatten wir 3 Ziele: Victoria, Tofino und Ladysmith. In Victoria waren wir wie in Vancouver in einem sehr hübschen Stadthaus untergebracht. Das Frühstück war immer eine Überraschung.  In Victoria unternahmen wir eine Whale Watching Tour, auf der wir neben den Walen auch viele andere Tiere Kanadas sehen konnten, wie den Weißkopfseeadler, Seerobben und auch einen Fischotter.


In Tofino waren wir in einem Strandresort. Die Ferienwohnung hat uns buchstäblich umgehauen. Direkt am Meer mit Kamin in einer Maissonettenwohnung, oben befand sich das Schlafzimmer mit Blick auf das Meer.

Hier kann man es wirklich aushalten. Einen Tag buchten wir hier eine Bärentour mit den Zodiacs. Wir fuhren mit einem Schlauchboot zu einigen Stränden, wo sich im Morgengrauen die Bären aufhalten und in der Ebbe Muscheln und anderes Seafood suchten. Hier sahen wir unseren ersten Bären. Wir waren sprachlos. Dafür lohnte sich das frühe aufstehen.



Die 3. Unterkunft befand in Ladysmith. Unsere Gastgeber waren sehr nett. Zu dem Haus gehörten auch zwei Kanadier. Noch am selben Nachmittag schnappten wir uns die Boote und fuhren durch die Bucht. Bei Sonnenuntergang einfach traumhaft. Unser Frühstück wurde draußen serviert mit Blick auf das Wasser. Wir ließen es uns wirklich gut gehen. An dem Tag fuhren wir ein paar kleinere Orte auf der Insel ab und erfuhren einiges über die First Nation. Am späten Nachmittag beobachten wir im Garten unserer Unterkunft kleine Kolibris, das war Entspannung pur.



In allen Orten wanderten wir unterschiedliche Trails entlang. Trails die total abgelegen waren und Trails auf denen man sogar richtig laufen konnte. Und auch hier, immer wieder am Wasser entlang.


Mit der Fähre ging es dann wieder aufs Festland mit einem Zwischenstop in Whistler weiter nach Pemperton. Whistler ist ein sehr interessanter Ort. Hier fanden 2010 die olympischen Spiele statt. Interessant war zu sehen, wie dieser Skiort selbst im Sommer aufblüht. Die Skipisten wurden als Downhill Pisten umfunktioniert und überall sieht man junge Leute mit ihren Fahrrädern. Die Peak 2 Peak Tour ist auf jeden Fall sehr zu empfehlen, da man hier mit der Peak 2 Peak Gondola fast 3 km von einem Berg zum nächsten Berg fährt und dazwischen nur 3 Masten gespannt sind. Das war schon atemberaubend und schwindelerregend.

In Pemperton übernachteten wir leider nur eine Nacht. Die Gastgeberin Margit und ihre Schweizer Freunde haben uns herzlich Willkommen geheißen. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Aufgrund der Waldbrände hatte sie uns noch eine bestimmte Strecke Richtung Lone Butte empfohlen. Am Ende fuhren wir über Kamloops und erlebten durch Zufall das alljährliche Pow Wow Festival der Indianer. Ein großes Spektakel rund um die First Nation in dieser Region. 

Nach dieser spontanen Pause ging es weiter zur Little Black Bear Lodge zum Brigde Lake. Dort erwarteten uns Maya und Jürn Eibelwieser, ein total nettes aufgeschlossenes Schweizer Ehepaar. Wir fühlten uns sofort sehr wohl dort. Sie bat uns an den Tisch und wir unterhielten uns über alles Mögliche. Der weite Blick zum See und über die Landschaft war herrlich. Von hier aus starteten wir am nächsten Tag die Tour zum Wells Grey Park. Dieser kleine Park hat uns sehr beeindruckt. Viele Wasserfälle und viele Trails. Leider waren die Trails aufgrund der Brandgefahr gesperrt. Dennoch hatten wir das Glück am Straßenrand einen kleinen Schwarzbär zu sehen. Die Freude war riesig.


Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zum Jasper Nationalpark. Diese Route war 465 km lang. Der erste Stop war in Valemount beim George Hicks Park. Hier hatten wir das große Glück einem Lachspaar bei der Laich zu beobachten. Insgesamt waren schon 3 Lachse vor Ort. Das war sehr interessant und beeindruckend. Die große Lachswanderung endet hier wenn der Herbst kommt.


Ein weiteres Highlight zum Aussichtspunkt des Mount Robson waren die Rearguard Falls. Hier endet die Wanderung der Lachse. Weiter ging es zum Japser Nationalpark. In diesem Jahr feiert Kanada sein 150 jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass hat man in den Nationalparks freien Eintritt. Etwas später kamen wir an diesem Tag in unserer Unterkunft am Rande des Nationalparks an. Auf dem Weg dorthin machten wir einen Stop am Jasper Lake. Ein riesiger flacher See, durch den man mühelos wandern kann.


Unsere Unterkunft befand sich direkt am Highway. Am nächsten Tag waren wir somit sehr schnell wieder im Park. Wir fuhren zum Pyramid Lake und dann weiter zum Maligne Canyon. Diesen Canyon liefen entlang und bewunderten wie sich das Wasser seinen Weg hindurch bannte. Am Maligne Lake machten wir die Bootstour zum berühmtesten Kanada-Panorama schlechthin: nach Spirit Island.


Vor der Tour wanderten wir noch zum wunderschön gelegenen Moose Lake, der Trail dorthin war schon ein Highlight. Leider sahen wir keine Elche, dafür aber eine wunderschöne Natur. Abends auf den Weg zu den Miette Hot Springs sahen wir am Straßenrand eine Herde Wapitis. Unser Höhepunkt des Tages.


Am nächsten Tag standen bis zum Banff Nationalpark 300 km auf dem Routenplan. Wir machten noch einen Stop bei dem Village of the 4th Lake, wo 4 Flüsse in einem zusammen laufen. Auf dem Weg nach Banff war das Columbia Icefield natürlich ein Muss. Wir kamen auch ohne extra Buchungen ziemlich nah ran an und auf den Gletscher. Wir hefteten uns an eine Wandergruppe und konnten sogar einige Meter auf dem Gletscher entlang laufen.


Weiter ging zum Lake Moraine. Ein eiskalter klarer blauer See, in dem wir uns sogar erfrischten. Mit seinen 4 Grad war er recht kühl. Am berühmten Lake Louise mieteten wir uns einen Kanadier und paddelten auf dem See entlang. 

    

Die Unterkunft in Banff hatten wir in Eigenregie gebucht. Sie war direkt in der Stadt Banff. Wir hatten eine Ferienwohnung in einem Resort. Am nächsten Tag fuhren wir zum Sulphur Mountain und liefen hier den wunderschönen Sulphur Skyline Trail hinauf. Wir hatten zwar Karten für die Gondel, die Wartezeit von 1 1/2 Stunden war uns aber zu lang. Wir benötigten für die 5 km knappe 2 Stunden. Der Ausblick belohnte uns für den langen anstrengenden Aufstieg. Am Nachmittag ließen wir es uns im Fairmont Banff Springs Hotel bei einem schönen Essen mit Wein gut gehen. Das Hotel selbst ist schon eine Sehenswürdigkeit.

Am Freitag ging es nach Calgary, wo Abend unser Flieger nach Hause ging. Calgary konnten wir uns auch noch einige Stunden ansehen. Eine typische Großstadt, die ziemlich schnell gewachsen ist.

Ca. 3500 km haben wir in diesen 16 Tagen zurückgelegt. Wir konnten trotz einiger Bärenwarnungen dennoch unserem Hobby das Laufen täglich nachgehen und haben das Trailwandern für uns entdeckt. Wir hätten gerne mehr von der Tierwelt gesehen, die Natur selbst ist umwerfend, wie man es sich in Kanada vorstellt. Die Reise wird uns lange in Erinnerung bleiben.